Fortschreitende Verstädterung, neue Lebensstile und die geänderte Altersstruktur der vietnamesischen Bevölkerung haben dazu geführt, dass bislang seltene Krankheitsbilder in Vietnam jetzt häufiger auftreten. Heute sind Verletzungen, Herz- und Gefäßkrankheiten und andere chronische Krankheiten wie Diabetes die häufigsten Todesursachen. Dadurch werden neue, differenziertere Diagnosemöglichkeiten und Dienstleistungen benötigt. Gesundheitseinrichtungen müssen ihre Diagnose- und Behandlungskapazitäten verbessern. Das führt zu höheren Gesamtkosten, insbesondere für Provinz- und Distriktkrankenhäuser, die eine wichtige Funktion für die Unterstützung und Überwachung von Gesundheitsdienstleistungen im vietnamesischen Gesundheitssystem erfüllen.
Um diese Herausforderungen anzugehen und um den Zugang armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern, hat die vietnamesisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein Programm zur Stärkung der Gesundheitssysteme in den Provinzen initiiert. Die Maßnahmen konzentrieren sich auf fünf der ärmsten Provinzen Vietnams – Thanh Hoa, Phu Yen, Yen Bai, Thai Binh and Nghe An. Die Erfahrungen aus diesen Provinzen werden für dien nationale Politik nutzbar gemacht. Im Rahmen des Programms „Stärkung des Gesundheitssystems in den Provinzen“, finanziert Deutschland medizinische Geräte für Diagnose-, Therapie- , und Spezialabteilungen. Darüber hinaus werden die Krankenhäuser bei der Beschaffung, Ausschreibung, Verteilung und Wartung der Geräte sowie in Abfallmanagement unterstützt. Gleichzeitig unterstützt die vietnamesisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Stärkung von Institutionen und Fähigkeiten im Bereich Gesundheitsplanung und –management und trägt zur Qualitätsverbesserung von kurativen und präventiven Gesundheitsdienstleistungen auf Provinz- und Distriktebene bei. Deutsche Expertise an einem der wichtigsten Postgraduierten-Lehrinstitute des vietnamesischen Gesundheitsministeriums unterstützt Lang- und Kurzzeitkurse in Krankenhausmanagement.
12,9 Millionen Menschen sind laut der nationalen Volkszählung von 2010 in Vietnam körperlich oder psychisch beeinträchtigt – einschließlich der Menschen mit Behinderungen als Folge des Krieges. Das sind nicht weniger als 15,5% der Bevölkerung. Durch den Anstieg des Verkehrs in Vietnam steigt auch die Zahl von Verkehrsunfällen stark an. Im Straßenverkehr sterben pro Tag mehr als 35 Menschen. Viele Verunglückte erleiden schwere Verletzungen, die zu physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen können.
Deutschland und Vietnam arbeiten eng zusammen um die Integration von Menschen mit Behinderungen voranzutreiben: in der Provinz Thua Thien-Hue unterstützt Deutschland eine Initative zur Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft. Die Initiative trainiert insbesondere Physiotherapeuten, die wiederum grundlegende rehabilitative Methoden an Angestellte im Gesundheitsbereich sowie Angehörige von Menschen mit Behinderungen weitergeben. Im Bereich der Frühförderung helfen deutsche Experten durch Beratung und Lehrplanentwicklung und sie arbeiten mit Eltern von Kindern mit Behinderungen. Auf nationaler Ebene hilft Deutschland Vietnam bei der Einrichtung eines Studienprogramms in Sonderpädagogik an den Universitäten von Hanoi und Hué durch Hilfe bei der Entwicklung der Universitätslehrpläne und moderner Lehrmaterialien.
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